Wenn beim Genuss von Speiseeis, einem schnellen Schluck aus der Kaffeetasse oder dem Biss auf ein Stück Schokolade bildlich gesprochen der Blitz einschlägt, liegt für Betroffene die Diagnose oft auf der Hand: Ein Loch im Zahn. Plötzlich auftretende, intensiv stechende oder ziehende Schmerzen als Reaktion auf Hitze, Kälte oder Süßes sind jedoch nicht zwingend ein Hinweis auf Karies. Schmerzempfindliche Zähne können unterschiedliche Ursachen haben.

Wie entstehen Zahnschmerzen durch Heißes, Kaltes oder Süßes?

Einfach erklärt entsteht der beschriebene Schmerz dadurch, dass der äußere Reiz den schmerzempfind-lichen Nerv im Inneren des Zahnes erreicht. Beim gesunden Zahn wird dieser durch den Zahnschmelz und das Zahnfleisch zuverlässig abgeschirmt und geschützt. Ist dieser Schutz beeinträchtigt, können Kälte, Hitze, Süßes oder auch Berührung über winzige Kanälchen im Zahnbein (Dentin) bis zum Zahn-nerv in der Pulpa gelangen. Dort lösen sie ein Nervensignal aus, das das Gehirn als kurzen, stechenden Schmerz wahrnimmt.

Welche möglichen Ursachen haben schmerzempfindliche Zähne?

Für die Schmerzreaktion auf äußere Reize gibt es unterschiedliche Ursachen. Infrage kommen vor allem:

  • Freiliegende Zahnhälse
  • Beschädigter Zahnschmelz
  • Leichte Karies
  • Undichte Füllungen
  • Ein beginnender Zahnriss
  • Zähneknirschen (Abnutzung des Zahnschmelzes)
  • Säureerosion durch säurehaltige Speisen und Getränke
  • Vorübergehend nach einem Bleaching

Darüber hinaus kann eine Schmerzempfindlichkeit aber auch in der Zeit direkt nach einer Füllung eines behandelten Zahnes auftreten. Gründe hierfür sind eine Reizung des Nervs im Zuge der Behandlung, eine veränderte Bisslage durch Fehler bei der Ausrichtung der Füllung oder eine Entzündung der Pulpa (Pulpitis). Kurzzeitig kann eine Überempfindlichkeit nach einer Füllung normal sein. Hält sie jedoch län-ger als ein bis zwei Wochen an, sollte der Zahnarzt die Füllung prüfen.

Empfindliche Zähne durch freiliegende Zahnhälse

Schmerzen durch äußere Reize treten wie beschrieben auf, wenn diese die Barrieren zum Nerv über-winden können. Dies geschieht zum Beispiel dann, wenn die Zahnwurzel freiliegt. Der Übergang zwischen Zahnkrone und Zahnwurzel ist im gesunden Zustand vom Zahnfleisch bedeckt und so geschützt. Für einen Zahnfleischrückgang gibt es unterschiedliche Ursachen, von falschem Zähneputzen bis zu altersbedingten Veränderungen sowie Zahnfleischentzündung (Gingivitis) und Parodontitis.

Gerade im Falle der Zahnfleischentzündung kann die Schmerzempfindlichkeit ein Hinweis auf eine Grunderkrankung, die nicht ignoriert werden sollte. Insbesondere wenn sich aus einer einfachen Gingivitis bereits eine Parodontitis entwickelt hat, sollte diese unbedingt angemessen behandelt werden, um langfristige Schäden am Zahnhalteapparat zu verhindern.

Was kann das Zähneputzen mit schmerzempfindlichen Zähnen zu tun haben?

Zähneputzen ist unverzichtbar für eine gesunde Mundhygiene und langfristig gesunde Zähne und Zahnfleisch. Leider kann falsches Zähneputzen jedoch auch Schäden verursachen, die sich zum Beispiel durch schmerzempfindliche Zähne bemerkbar machen. So können zu starkes Schrubben mit einer harten Zahnbürste oder die falsche Technik das Zahnfleisch und sogar die Zahnhartsubstanz am Zahnhals schädigen. Verschiedene Faktoren begünstigen diesen Prozess zusätzlich. Zahnpasta mit einem besonders hohen Anteil an Putzkörpern (hoher RDA-Wert) können den Zahnschmelz schädigen oder bereits vorhandene Schädigung verstärken. Die winzigen Putzkörper (zum Beispiel Kalziumkarbonat, Silika oder Aluminiumoxid) finden sich vor allem in beliebten Whitening-/Zahnweiß-Produkten, die eine Entfernung von dunklen Belägen oder sogar eine Aufhellung der Zähne versprechen. Als noch schädlicher erweisen sich Versuche, die Zähne mit fragwürdigen Produkten oder Hausmitteln im Do-it-yourself-Verfahren aufzuhellen. Ein selbst gemachtes Bleaching mit Säuren oder Scheuermitteln ist ein gefährlicher Angriff auf den Zahnschmelz, der unbedingt vermieden werden sollte und darüber hinaus im Ergebnis selten die hohen Erwartungen erfüllt.

Beim Zähneputzen sollte man außerdem berücksichtigen, dass säurehaltige Getränke und Lebensmittel die Zahnoberfläche vorübergehend besonders anfällig machen. Kräftiges Zähneputzen unmittelbar nach dem Verzehr sollte deshalb vermieden werden, um den Zahnschmelz nicht unnötig zu belasten.

Auch wenn Zähneputzen eine Ursache für schmerzempfindliche Zähne sein kann und in vielen Fällen Schmerzen auch beim Zähneputzen auftreten, ist der Verzicht auf die regelmäßige Mundhygiene keine Lösung. Im Gegenteil zeigt sich hier ein gefährlicher Teufelskreis: Weil das Zähneputzen Schmerzen verursacht, sind manche Betroffene geneigt, darauf zu verzichten oder nur oberflächlich zu putzen. Hierdurch können die eigentlichen Ursachen schmerzempfindlicher Zähne jedoch verstärkt werden und zusätzliche Probleme wie das Entstehen von Karies begünstigt werden.

Das beste Mittel gegen schmerzempfindliche Zähne ist in vielen Fällen Vorbeugung: Richtiges Putzen mit geeigneten Produkten und regelmäßige Kontrolle des Zahnhalteapparates helfen, verbreitete Ursachen zu vermeiden.

Was hilft im Alltag gegen empfindliche Zähne?

Schmerzempfindliche Zähne erweisen sich im Alltag schnell als Belastung und schränken die Lebensqualität ein. Neben der Behandlung zugrunde liegender Ursachen gibt es einige Möglichkeiten, mit schmerzempfindlichen Zähnen umzugehen. Der Handel bietet inzwischen zahlreiche Produkte, die Linderung versprechen und deren Verwendung bei schmerzempfindlichen Zähnen empfohlen wird. Hierzu zählen neben der Wahl einer weichen Zahnbürste und einer sanften Putztechnik Zahnpasten für empfindliche Zähne. Deren Inhaltsstoffe sollen eine Reizweiterleitung in den Dentin-Kanälchen zumindest zeitweise vermindern und so desensibilisieren. Die gleiche Methode nutzen Mundspülungen für empfindliche Zähne sowie spezielle Zahnpflegekaugummis.

Fluoridhaltige Zahnpasta kann im frühen Stadium dazu beitragen, Schäden am Zahnschmelz durch Remineralisierung zu mindern und ihn widerstandsfähiger gegen Säuren zu machen. Ist der Zahnschmelz jedoch nachhaltig geschädigt oder sogar abgetragen, ist dieser Vorgang nicht rückgängig zu machen: Zahnschmelz wächst nicht nach.

Empfindliche Zähne - Unsicherheit bei Süßem

Wann sollte man wegen schmerzempfindlicher Zähne einen Zahnarzt aufsuchen?

Wenn schmerzempfindliche Zähne ohne erkennbare Ursache auftreten oder auch nach ein bis zwei Wochen nicht verschwinden, empfiehlt sich der Besuch bei einem Zahnarzt. Eine professionelle Untersuchung klärt die eigentlichen Ursachen für die Beschwerden. Handelt es sich um eine akute Grunderkrankung – Karies, Zahnfleischentzündung, Parodontitis, ein Riss im Zahn oder Ähnliches – kann er die geeignete Behandlung beginnen. Darüber hinaus klärt ein Beratungsgespräch, ob Fehler bei der Mundhygiene das Problem zusätzlich beeinflussen oder sogar verursachen.

Wann Sie nicht abwarten sollten: Ein kurzer Schmerz, der mit dem Reiz wieder verschwindet, ist typisch für empfindliche Zahnhälse. Vereinbaren Sie zeitnah einen Termin, wenn Sie akute und anhaltende Schmerzen haben, die ohne Anlass auftreten, nachts wach halten oder pochen, oder wenn eine Schwellung hinzukommt.

Neben der Behandlung von Zahnfleischrückgang, zum Beispiel im Rahmen einer Parodontitis-Behandlung, hat ein Zahnarzt verschiedene Möglichkeiten, den empfindlichen Zahnschmelz zu schützen und beginnendem Abbau entgegenzuwirken. Außerdem gibt es Methoden, schmerzempfindliche Zähne zu versiegeln oder einen freiliegenden Zahnhals abzudecken.

Auch hier zeigt sich jedoch, dass oft Vorbeugung die beste Methode ist, schmerzempfindliche Zähne zu vermeiden. Eine professionelle Zahnreinigung entfernt Beläge auch am Zahnfleischrand, wo die Zahn-bürste oft nicht hinkommt. Ob und wie oft sie für Sie sinnvoll ist, klären wir bei der Untersuchung.